Geboren 1969 in Unna / Westfalen Studium der Philosophie, der deutschen Literatur und Sprache und der Geschichte in Bonn, Freiburg und Edinburgh Promotion im Fach Mittelalterliche und Neuere Geschichte bei Klaus Hildebrand an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent, Forschungsstipendiat und Lehrbeauftragter für Philosophie und Geschichte an der Universität Bonn, der Katholischen Universität Eichstätt und der Humboldt-Universität Berlin Strategiereferent und Redenschreiber für Angela Merkel bei der CDU Deutschlands Seit 2011 Redenschreiber im Bundespräsidialamt
Historismus im 19. Jahrhundert. Geschichtsschreibung von Niebuhr bis Meinecke, Stuttgart 2006 (Reclam Universalbibliothek) Der Historismus im besten Lichte; längere zusammenhängende Auszüge aus zehn bedeutenden historischen Werken; mit größerem Essay und einleitenden Texten; im Ganzen der Versuch einer Neufassung des Phänomens in seiner überragenden und andauernden Bedeutung für die moderne Geschichtswissenschaft. Rezension des Buches in der „Historischen Zeitschrift”: download (pdf)
Auszug aus dem Einleitungsessay: download (pdf) Die Untersuchung gilt dem in seiner Generation einstmals als führend erachteten Historiker Erich Marcks. Es soll ein integrativer Ansatz der Erforschung historiographischer Oevres exemplarisch vorgeführt werden. Historie ist literarische Hervorbringung, sie hat wie Literatur eine wesentlich formale Seite und zeigt sich beeinflußt durch literarische Erzählverfahren; Historie ist aber zugleich Wissenschaft in einem disziplinären Entwicklungszusammenhang und sie ist Politik, die sich aus politischer Lebenspraxis und Zeitgenossenschaft speist. Des weiteren zielt die Studie auf eine grundsätzliche Verteidigung des Historismus gegen die Anwürfe seiner zahlreichen Verächter. Die im Irrationalismus-Vorwurf gipfelnden Gemeinplätze der Kritik werden im Angesicht der Texte und von einem geschichtstheoretisch-narrativistischen Standpunkt aus zurückgewiesen. Besprechung des Buches in der „Historischen Zeitschrift”: download (pdf)
Unser Land. Ein Vorschlag zur Güte - Versuch einer Anleitung zu einem zufriedeneren Bürgerbewusstsein, in: Die Welt, 27. März 2012, S. 8 Ein hervorstechender Zug der deutschen Gesellschaft unserer Tage ist die staatsbürgerliche Übellaunigkeit. Eine große Verdrossenheit liegt über dem Land. In der Folge von Sozialstaatsreformen, Finanzkrisen und Infrastrukturentscheidungen geraten Wirtschaftsordnung und repräsentative Demokratie in die Defensive. In dieser Situation ein Vorschlag zur Güte - zur Güte unseres Landes. http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13948127/Unser-Land-Ein-Vorschlag-zur-Guete.html
Nur im Höhenflug kommt eine Geschichte zustande. Ohne ein Problem und eine Fragestellung, die über die bloßen Geschehnisse emporheben, hat nie Geschichtsschreibung das an sich unverständliche Raum-Zeit-Chaos in eine lesbare gedankliche Ordnung gebracht. Alle Geschichtsschreibung ist Problemgeschichte. Deshalb kein seriös-professorales Zagen vor angeblich so besonders abgehobenen und so besonders subjektiven weltgeschichtlichen Entwürfen: Formuliert Eure Probleme, stellt Eure historischen Fragen an die heutige Weltlage, und schreibt! download (pdf)
In der Historie geht der positivistische Gestus einer „Anwendung” von „Methoden” prinzipiell irre. Und auch praktisch gerät die verbreitete geschichtswissenschaftliche Methodenhuberei meist zur Karrikatur von Wissenschaft. Da wird mit viel theoretischem Tamtam das Rad neu erfunden und es werden Entdeckungen gemacht, die man auch ohne das mühsam bereitete „Instrumentarium” hätte machen können. Dem durch die Festlegungen des theoretischen Vorbaus verengten Blick entgeht gerade die Vielfalt der historisch wirkenden Kräfte. Das spezifische Bemühen des Historikers ist es nicht, sich Schablonen zurechtzuzimmern, sondern möglichst vielseitig „forschend zu verstehen” (J. G. Droysen).
Bisher sucht man ohne rechten Erfolg nach Momenten einer „Wandlung” Thomas Manns vom konservativen Unpolitischen zum Republikaner zwischen 1918 und 1922. Dieser Aufsatz zeigt, daß schon der riesige Essay der „Betrachtungen” jene Gedanken entwickelt, die Thomas Mann den Friedensschluß mit der Weimarer Republik ermöglichten.
Paul Kirchhofs Erscheinen auf der politischen Bühne im Jahre 2005 schien das Ende der jahrzehntelangen Verdrängung eines bestimmten Typs konservativer Staatsskepsis in Deutschland zu bedeuten. Diesem Denken galt die seit den 1950er Jahren immer zunehmende Verstrickung des Staates in die gesellschaftlichen Abläufe als das Grundübel der politischen Ordnung der Bundesrepublik. In den 60er Jahren setzten sich jedoch die gegnerischen Stimmen durch, die der ausdrücklichen Aufgabe der Unterscheidung von Staat und Gesellschaft und gleichzeitig einem forciert steuernden und planenden Staat das Wort redeten. Gegen den zeithistorischen Konsens einer allmählichen aber gründlichen „Liberalisierung” der alten Bundesrepublik liegt dem Essay die These zugrunde: In dieser zentralen Frage politischer Struktur und Kultur hat nie eine Liberalisierung Deutschlands stattgefunden. http://www.welt.de/data/2005/12/06/813493.html Der Bürger, das Bürgertum, das Bürgerliche verschwinden weder, noch erfahren sie gerade eine Renaissance. Es gibt sie einfach seit dem 19. Jahrhundert in durchaus ähnlicher Weise. Das Auf und Ab der Diskurse und Diagnosen berührt die fortdauernde Existenz eines Menschentyps nicht, der sich den Willen nicht nehmen läßt, unter den Bedingungen der modernen Welt ein selbstgestaltetes und frei geordnetes Leben zu führen. Vierfach scheint der Sinn des Bürger-Begriffs in der schwelenden Debatte zu sein: Der „Bürger” als Staatsbürger, der „Bürger” als Akt einer Selbstzuschreibung emphatisch-elitärer Art, der „Bürger” als der vorherrschende soziale Typ, der „Bürger” als Projektion reformpolitischer Appelle. Der Essay versucht einen ruhigen Blick auf die Wirklichkeit des Bürgerlichen und auf seine vermuteten Gefährdungen.
download (pdf) Carlyle und Treitschke verehren nicht bedingungslos die geniale Willkür großer historischer Persönlichkeiten, wie es ihnen vorgeworfen wird. Historisches Handeln ist im Werk der beiden Geschichtsschreiber – ganz im Stil dieses historistischen, hegelianischen Jahrhunderts – beschränkt und bestimmt von den Notwendigkeiten eines über den Einzelnen stehenden Geschichtsverlaufs, der menschlichem Tun präzise Aufgaben stellt. Der Held tut, was von „der Geschichte” verlangt ist. Vorgeschichte und Charakter der frühbundesrepublikanischen, katholischen und protestantischen Debatte um die historisch-politische Heilkraft des „christlichen Abendlandes” werden in einem Überblick erörtert. Die wichtige Frage dabei ist: Hat das Abendland-Denken die Deutschen nach Europa geführt, oder besteht seine historische Eigenart darin, der konservativen Demokratie-Skepsis der zwanziger und dreißiger Jahre noch einmal einen gewissen Wirkraum gegeben zu haben, bevor sie – diese Skepsis – von der politischen und gesellschaftlichen „Verwestlichung” und vom ökonomischen Erfolg der Bundesrepublik verdrängt wurde? Die versuchte Antwort: Die Abendland-Diskussionen kennzeichnet dieses eigentümliche Doppelgesicht; politisch heilsam Gewordenes und Zukunftsweisendes ist verwoben mit einem Denken von Staat und Gesellschaft, für das im Deutschland der frühen Bundesrepublik kein Raum mehr war noch sein konnte. Thomas Manns Weise des erzählerischen Umgangs mit persönlichen und literarischen Begegnungen ist als vertrackt bekannt. Ein neuer subtiler Fall wird in diesem Aufsatz aufgerollt. Der Historiker Erich Marcks als Person und einer seiner besonders gelungenen historischen Essays, der von 1893 über König Philipp II. von Spanien, haben höchst kunstvoll Eingang gefunden in Erzählstruktur, Motivik und Klang von Thomas Manns Erzählung.
Fichtes Philosophie der „Reden an die deutsche Nation” war von immenser Wichtigkeit für die nationalen deutschen Selbstdeutungen im späten Kaiserreich, im Weltkrieg und noch darüber hinaus. Der Aufsatz zeichnet die breite Fichte-Rezeption vor 1914 nach, verfolgt den dringlicher werdenden fichteanischen Ton im Krieg, beleuchtet als institutionelle Ausformung dieses Denkens die „Fichte-Gesellschaft von 1914” und fragt nach den politischen Ordnungsvorstellungen derjenigen, die sich Fichte als geistigen Führer erkoren. download (pdf) |